Arbeitsrecht

Arbeitsstättenverordnung & Bürotemperatur: Was Arbeitgeber in Österreich schulden

Unabhängigaus ÖsterreichMit Quellen belegt

Die österreichische Arbeitsstättenverordnung schreibt vor, dass Arbeitsräume gesundheitlich zuträgliche Temperaturen aufweisen müssen. Was das konkret bedeutet, welche Maßnahmen ausreichen und wann eine Klimaanlage in Betracht kommt.

Klimavergleich RedaktionFachredaktion für Klimatechnik & Kältetechnik
Feb. 20266 Min. LesezeitAktualisiert: 29.10.2026Wie wir recherchieren
Kurzantwort

Die österreichische Arbeitsstättenverordnung (AStV) §28 verpflichtet Arbeitgeber, für gesundheitlich zuträgliche Temperaturen in Arbeitsräumen zu sorgen. In der warmen Jahreszeit soll bei vorhandener Klima- oder Lüftungsanlage die Lufttemperatur 25 °C möglichst nicht überschreiten; andernfalls sind sonstige Maßnahmen zur Temperaturabsenkung auszuschöpfen. Ein automatisches Recht auf Arbeitsniederlegung bei 35 °C gibt es in Österreich nicht. Eine Klimaanlage ist nicht explizit vorgeschrieben — sie kommt in Stadtbüros aber als Dauerlösung in Betracht. Ein Splitgerät für ein Büro mit 30–50 m² kostet ca. € 2.500–3.100 netto inkl. Montage.

Was schreibt die Arbeitsstättenverordnung §28 vor?

Die Arbeitsstättenverordnung (BGBl. II Nr. 368/1998 idgF) regelt in §28 die Anforderungen an die Raumtemperatur in Arbeitsräumen. Der Kern:

  • Arbeitsräume müssen eine der Tätigkeit und dem Wohlbefinden der Arbeitnehmer angemessene Raumtemperatur aufweisen
  • § 28 Abs. 1 staffelt nach körperlicher Belastung: 19–25 °C bei geringer (z. B. Büroarbeit im Sitzen), 18–24 °C bei normaler, mindestens 12 °C bei ausschließlich hoher körperlicher Belastung
  • Bei technisch nicht beeinflussbarer Überschreitung: Ersatzmaßnahmen wie Ventilatoren, Jalousien, flexible Arbeitszeiten

Ob eine gemessene Temperatur im zulässigen Bereich liegt und welche Pflicht daraus folgt, zeigt der AStV-Temperatur-Check — Tätigkeit und Temperatur eingeben, Bewertung steht sofort da.

Welche Maßnahmen erfüllen die AStV §28 — reicht ein Ventilator?

Das Gesetz schreibt keine spezifische Maßnahme vor — der Arbeitgeber hat Handlungsspielraum. Infrage kommen zum Beispiel folgende Maßnahmen:

MaßnahmeWirkungDauerhaft wirksam?
Außenjalousien / SonnenschutzHält Sonnenwärme vom Raum fernJa, als Ergänzung
VentilatorenGefühlstemperatur −2 bis −3 °CBegrenzt, kühlt nicht
Flexible Arbeitszeiten (Frühstart)Hitzebelastung in heißen Stunden vermeidenOrganisatorisch, nicht technisch
Homeoffice an HitzetagenVollständige EntlastungNicht immer möglich
KlimaanlageSenkt die Raumtemperatur aktiv, bei passender Auslegung auf etwa 26 °CJa, bei passender Auslegung und Wartung

In Stadtbüros mit großen Glasflächen und geringer Nachtauskühlung können Jalousien und Ventilatoren an Extremhitzetagen (35+ °C Außentemperatur) an ihre Grenzen kommen. Eine Klimaanlage kommt dann als Dauerlösung in Betracht.

Was passiert bei Nichteinhaltung der AStV?

Die Arbeitsinspektion (gemäß ASchG) überwacht die Einhaltung der AStV. Mögliche Konsequenzen:

  • Verwarnung und Auflage: Arbeitsinspektion kann Maßnahmen vorschreiben mit Umsetzungsfrist
  • Verwaltungsstrafe: € 166 bis € 8.324 pro Übertretung nach §130 ASchG, bei Wiederholung € 333 bis € 16.659
  • Arbeitnehmer-Schutzmaßnahmen: Der Arbeitgeber muss bei nachgewiesener Gesundheitsgefährdung aktiv werden; ein automatisches Hitzefrei ab 35 °C gibt es in Österreich nicht
  • Haftung: Ob bei hitzebedingten Gesundheitsschäden Ansprüche gegen den Arbeitgeber bestehen, ist eine Frage des Einzelfalls

Warum wird Hitze in Österreich immer dringlicher?

Die Messdaten sind eindeutig: Österreich hat sich zwischen den Klimanormalperioden 1961–1990 und 1991–2020 um rund 1–2 °C erwärmt — stärker als der globale Durchschnitt. GeoSphere Austria dokumentiert, dass die Anzahl der Hitzetage (Tage über 30 °C) in Wien von 1961 bis 2024 um durchschnittlich ca. 27 Tage zugenommen hat — 2024 wurden an der Wetterstation Wien Innere Stadt 52 Hitzetage verzeichnet. Tropennächte (Nachttemperatur über 20 °C) sind in Wien von 1–2 pro Jahr bis in die 1980er-Jahre auf rund 6 im Mittel 1991–2020 gestiegen — das bedeutet, dass Bürogebäude nicht mehr ausreichend auskühlen können.

Für Arbeitgeber hat das konkrete Konsequenzen: Was früher an zwei, drei außergewöhnlichen Hitzetagen im Jahr ein Problem war, ist heute in vielen Sommern über Wochen ein Dauerzustand. Bei 35 °C Außentemperatur und 20 °C Nachtminimum können Ventilatoren und Jalousien allein zu wenig sein, um Arbeitsräume auf 26 °C zu halten.

Die rechtliche Pflicht des Arbeitgebers nach AStV §28 ist seit Jahren unverändert — aber die klimatischen Bedingungen die Kühlung erzwingen, treten immer häufiger auf. Wer heute investiert, tut es nicht für einen Luxus, sondern für die Arbeitsfähigkeit seiner Belegschaft in den nächsten Jahrzehnten.

Wie plane ich Büroklimatisierung (Großraum vs. Einzelbüro)?

Nicht jede Bürofläche ist gleich zu klimatisieren. Die Anforderungen unterscheiden sich je nach Raumstruktur erheblich — und davon hängen Kosten und technische Lösung ab.

Einzelbüros (15–30 m²): Ein einfaches Wall-Split-Gerät pro Raum ist eine vergleichsweise günstige und flexible Lösung. Kosten: ca. € 2.500 netto je Raum inkl. Montage. Vorteil: jeder Raum individuell regelbar. Nachteil: viele Außengeräte wenn mehrere Räume klimatisiert werden sollen.

Großraumbüro (50–200 m²): Kassettengeräte in der Decke können die Luft gleichmäßig und ohne störenden Luftzug verteilen. Ein Multisplit-System mit einem Außengerät und mehreren Innengeräten kann effizienter sein als viele Einzelsysteme. Was das je nach Fläche kostet, steht im Ratgeber Großraumbüro.

Mehrere Stockwerke: VRF-Systeme (Variable Refrigerant Flow) erlauben eine zentrale Außeneinheit für dutzende Innengeräte in verschiedenen Zonen. Hohe Effizienz im Dauerbetrieb möglich, aber eine höhere Investition (VRF-Ratgeber); ob die Betriebskosten langfristig niedriger ausfallen, hängt vom Projekt ab.

Welche Anforderungen stellt Hybridarbeit an die Klimatisierung?

Hybride Arbeitsmodelle stellen neue Anforderungen an Büro-Klimatisierung: Wenn montags 80 % der Belegschaft im Büro ist und freitags nur 20 %, macht eine fix eingestellte Volllastklimatisierung wenig Sinn. Moderne Inverter-Klimaanlagen mit Präsenzsensoren oder smarter Steuerung über Apps oder Gebäudemanagementsysteme können die Leistung automatisch anpassen.

Was bei der Planung für hybride Teams zu beachten ist:

  • Zonensteuerung: Nicht alle Bereiche müssen gleichzeitig klimatisiert werden — flexibel nutzbare Zonierung spart Energie gegenüber einer einheitlichen Vollklimatisierung; wie viel, hängt von der Nutzung ab
  • Wochenend-Absenkung: Automatische Temperaturanhebung auf 28–30 °C am Wochenende und Nacht, rechtzeitige Vorkühlung vor Arbeitsbeginn
  • Home-Office-Tage: An Tagen mit niedriger Präsenz nur die tatsächlich besetzten Zonen kühlen — das setzt eine flexible Steuerung voraus, die bei der Planung berücksichtigt werden muss

Was kostet Büro-Klimatisierung und wann rechnet sie sich?

Eine typische Frage von Arbeitgebern: "Was kostet das, und wann rechnet es sich?" Die Antwort hängt von der Bürogröße, dem System und der Nutzungsintensität ab — aber einige Richtwerte helfen bei der Entscheidung.

Für ein Stadtbüro mit 10 Mitarbeitern auf 150 m² kommen zum Beispiel 4–5 Innengeräte an zwei Multisplit-Außengeräten in Betracht. Die Investition liegt bei ca. € 11.300–12.200 netto inkl. Montage. Für ein Büro rechnet der Rechner mit 500 Volllaststunden Kühlung, einem Anhaltswert für Bürogebäude aus dem BBSR-Leitfaden 2023. Mit Mittelklasse-Geräten (SEER 7,5) sind das rund 850–870 kWh, bei 22,33 ct/kWh netto etwa € 191–194 pro Jahr. Die Jahreswartung kostet € 586–611 netto.

Neben den Betriebskosten wird oft die Arbeitsleistung eingerechnet: Eine Auswertung des Lawrence Berkeley National Laboratory (Seppänen, Fisk & Lei, 2006) ergibt bei 30 °C eine um rund 9 % geringere Arbeitsleistung als beim Optimum von etwa 22 °C.

Beispielrechnung mit Annahmen, keine Prognose: Bei € 3.000 Monatsgehalt und 5 % Leistungsverlust über 4 heiße Wochen entgehen je Mitarbeiter rund € 140 pro Sommer (€ 3.000 × 5 % × 4 von 4,33 Wochen) — bei 10 Mitarbeitern rund € 1.400. Bei ca. € 11.300–12.200 netto Investition wären das rechnerisch etwa 8 bis 9 Sommer; laufende Strom- und Wartungskosten sind dabei noch nicht abgezogen.

Alle Beträge auf dieser Seite sind Richtwerte des Gewerbe-Kostenrechners, netto, Stand Oktober 2026. So rechnen wir

Häufige Fragen: Klimaanlage und Arbeitsstättenverordnung

Ab welcher Temperatur muss der Arbeitgeber handeln?

Laut § 28 AStV soll in der warmen Jahreszeit bei vorhandener Klima- oder Lüftungsanlage die Lufttemperatur 25 °C möglichst nicht überschreiten; andernfalls sind sonstige Maßnahmen zur Temperaturabsenkung auszuschöpfen (z. B. Ventilatoren, Jalousien, Gleitzeit). Ein automatisches Hitzefrei ab 35 °C gibt es in Österreich nicht. Eine Klimaanlage ist nicht explizit vorgeschrieben, aber eine mögliche Dauerlösung.

Was kostet eine Klimaanlage für ein Büro in Österreich?

Ein Splitgerät für ein Büro mit 30–50 m² kostet ca. € 2.500–3.100 netto inkl. Montage. Für ein Stadtbüro mit 150 m² und 4–5 Innengeräten an zwei Außengeräten sind es ca. € 11.300–12.200 netto, die Jahreswartung kostet € 586–611 netto.

Ist der Arbeitgeber verpflichtet eine Klimaanlage zu installieren?

Keine direkte Pflicht zur Klimaanlage. Die AStV §28 verpflichtet zu gesundheitlich zuträglichen Temperaturen — wie diese erreicht werden, bleibt dem Arbeitgeber überlassen. Bei dauerhaft überhitzten Büros ohne Abhilfe können Arbeitnehmer rechtliche Schritte einleiten.

Welche Strafe droht bei Verstoß gegen die Arbeitsstättenverordnung?

Bei Verstößen drohen Verwaltungsstrafen von € 166 bis € 8.324 pro Übertretung, im Wiederholungsfall € 333 bis € 16.659 (§ 130 ASchG). Die Arbeitsinspektion prüft die Einhaltung und kann Sofortmaßnahmen anordnen.

Was sind Alternativen zur Klimaanlage bei Hitze?

AStV-konforme Alternativen: Ventilatoren, Jalousien, Gleitzeit. Bei Außentemperaturen über 35 °C können diese an ihre Grenzen kommen — eine Klimaanlage kommt dann als Dauerlösung für Büros in Betracht.

Dürfen Mitarbeiter nach Hause gehen wenn es zu heiß ist?

In Österreich gibt es kein automatisches Recht auf Arbeitsniederlegung ab 35 °C. Die AK Österreich stellt klar: kein gesetzliches Hitzefrei. Der Arbeitgeber muss aber nach § 28 AStV Maßnahmen zur Temperaturabsenkung ausschöpfen — bei nachgewiesener Gesundheitsgefährdung können Arbeitnehmer nach allgemeinem Arbeitsrecht Schutz einfordern.

Gilt die Hitzeschutzpflicht auch im Homeoffice?

Die AStV gilt grundsätzlich nicht für Heimarbeitsplätze. Jedoch enthält das ASchG allgemeine Schutzpflichten. Bei dauerhaftem Homeoffice sollte der Arbeitgeber im Rahmen der Fürsorgepflicht Lösungen prüfen.

Wie lange dauert die Installation einer Büro-Klimaanlage?

Ein Standard-Split-System für ein Büro bis 50 m² ist typischerweise in einem Arbeitstag installiert. Größere Multisplit-Systeme für mehrere Räume dauern 2–3 Tage. Planen Sie die Montage außerhalb der Hitzeperiode — Einzelaussagen von Fachbetrieben aus den Sommern 2025 und 2026 nennen etwa drei bis acht Wochen bis zur Montage.

Der erste Schritt ist eine Begehung durch einen F-Gas-zertifizierten Fachbetrieb (über Klimavergleich.at für Sie kostenlos). Dabei wird der tatsächliche Kühlbedarf Ihrer Bürofläche bewertet, der Montagestandort für Innen- und Außengerät festgelegt und ein konkretes Angebot erstellt. Ohne Besichtigung lässt sich ein Angebot für Büroflächen kaum belastbar erstellen.

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