Woraus bestehen die Stromkosten im Betrieb?
Auf der Rechnung eines Betriebs stehen drei Blöcke: die Energie (der Lieferantenpreis pro kWh), die Netzentgelte und die Abgaben, etwa die Elektrizitätsabgabe. Das Netznutzungsentgelt ist entweder nur arbeitsbezogen oder arbeits- und leistungsbezogen festgelegt: ein Arbeitspreis pro bezogener kWh und — bei leistungsgemessenen Anschlüssen — ein Leistungspreis pro kW.
Für die Klimaanlage heißt das: Die reine kWh-Betrachtung („Was verbraucht das Gerät im Jahr?“) ist im Betrieb nur ein Teil der Rechnung. Der andere Teil hängt an den gemessenen Viertelstundenwerten.
Wie funktioniert die 15-Minuten-Messung?
Bei leistungsgemessenen Anschlüssen wird der Strombezug in Viertelstundenwerten erfasst; intelligente Messgeräte erfassen sämtliche Viertelstundenwerte, rechnerisch rund 35.000 im Jahr. Bis Ende 2026 gilt § 52 ElWOG 2010: Grundlage für den Leistungspreis ist das arithmetische Mittel der im Abrechnungszeitraum monatlich gemessenen höchsten Viertelstundenleistung, grundsätzlich auf ein Jahr bezogen — nicht der eine höchste Wert des Jahres. Die Sätze legt die E-Control in der Systemnutzungsentgelte-Verordnung fest. Auf Netzebene 7 liegt der Leistungspreis 2026 je nach Netzbereich bei rund 47 bis 112 Euro pro kW und Jahr (netto, ohne Kleinwalsertal); für die Netzebenen 5 und 6 gelten eigene Sätze.
Wichtig für die Praxis: Es zählt der Viertelstundenwert, nicht der kurze Anlaufstrom eines Verdichters — der geht im Viertelstundenwert weitgehend unter. Ins Gewicht fällt, wenn mehrere Großverbraucher dauerhaft in derselben Viertelstunde laufen. Nach der Regel bis Ende 2026 bestimmt eine einzelne hohe Viertelstunde den Höchstwert ihres Monats und geht damit zu einem Zwölftel in die Jahresabrechnung ein.
Ab 2027: Leistungspreis je Kalendermonat
Das Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG, BGBl. I Nr. 91/2025) legt den Leistungspreis nicht selbst fest. Es ermächtigt die E-Control, Arbeits- und Leistungspreis per Verordnung zu bestimmen; seine Entgeltbestimmungen treten mit 31. Dezember 2026 in Kraft. Die Regeln dazu stehen in der Systemnutzungsentgelte-Grundsatzverordnung (SNE-G-V, BGBl. II Nr. 299/2026), kundgemacht am 12. Oktober 2026, in Kraft ab 1. Jänner 2027:
- Das Netznutzungsentgelt besteht für alle Entnehmer aus einem Leistungs- und einem Arbeitspreis.
- Verrechnet wird je Kalendermonat nach dem höchsten Viertelstundenleistungswert des Monats.
- Netzebenen 1 bis 6, also auch Betriebe auf Netzebene 5 oder 6: Das gilt ab 1. Jänner 2027 ohne Übergang. Verrechnet werden mindestens 20 % der vertraglich vereinbarten Leistung in Bezugsrichtung.
- Netzebene 7: Von 1. Jänner bis 30. November 2027 gilt ein einheitlicher Monatsleistungspreis je kW; Anschlüsse ohne Leistungsmessung zahlen eine Pauschale je Zählpunkt. Danach, laut Erläuterungen grundsätzlich ab 1. Dezember 2027, gibt es zwei Leistungspreisstufen mit der Grenze 10 kW, und verrechnet werden mindestens 2 kW, ausgenommen Kleinstanschlüsse. Der Zeitraum kann je Netzbereich innerhalb von 1. Jänner 2027 bis 30. Juni 2028 abweichen.
- Der Leistungsanteil am Netzentgelt soll stufenweise jährlich auf 50 % steigen; heute liegt er laut Erläuterungen knapp unter 29 %.
Die Beträge ab 2027 legt eine eigene Tarifverordnung (SNE-T-V) fest; sie war am 23.10.2026 noch nicht kundgemacht. Steigt der Leistungsanteil wie vorgesehen, wirkt eine niedrigere Monatsspitze stärker auf die Netzkosten.
Schon seit 2026 gibt es auf Netzebene 7 den Sommer-Nieder-Arbeitspreis (SNAP): eigene Arbeitspreise für Strom, der von 1. April bis 30. September zwischen 10 und 16 Uhr bezogen, elektronisch gemessen und vom Netzbetreiber ausgelesen wird und keiner Energiegemeinschaft zugeordnet ist. Die SNE-G-V führt ihn fort.
Warum die Klimaanlage ein Lastspitzen-Kandidat ist
Maßgeblich ist die elektrische Aufnahme, nicht die Kühlleistung — gemessen wird die bezogene Leistung am Zähler. Zwei Herstellerbeispiele: Die VRF-Außengeräte Daikin VRV 5 REYA10A und REYA12A mit 28,0 bzw. 33,5 kW Kühlleistung nehmen bei Volllast und 35 °C Außentemperatur rechnerisch 8,6 bzw. 10,3 kW elektrisch auf, rund ein Drittel der Kühlleistung. Für Mitsubishi Electric City Multi PUHY-M250YXM-A und PUHY-M300YXM-A mit derselben Kühlleistung nennt der Hersteller bei 35 °C außen 7,69 bzw. 9,25 kW, gut ein Viertel. Bei Teillast ist der Anteil deutlich kleiner: Der EER des REYA10A steigt bei 20 °C außen auf 14,8. Läuft die Anlage am Hitzetag in derselben Viertelstunde wie Küche, Produktion oder Ladeinfrastruktur, steigt der gemessene Viertelstundenwert um ihre jeweilige Aufnahme.
Ein Rechenbeispiel mit den Leistungspreisen 2026 (Netzebene 7, netto) und angenommenen Spitzen: Hebt die Kühlung die Monatsspitze in allen zwölf Monaten um 10 kW, kostet allein dieser Spitzenbeitrag 469 Euro (Graz) bis 1.123 Euro (Kärnten) pro Jahr — zusätzlich zu den kWh. Wirkt die Kühlung nur in drei Sommermonaten, steigt die Bemessungsgrundlage nach der Mittelwertregel um 10 × 3 ÷ 12 = 2,5 kW; dann sind es 117 bis 281 Euro. Ab 2027 wird jeder Kalendermonat nach seiner eigenen Spitze verrechnet, auf Netzebene 7 nach der Übergangszeit; was das kostet, legt erst die Tarifverordnung fest.
Die kWh-Seite: Was die Kühlung im Jahr verbraucht
Der Energieverbrauch hängt an Kühlbedarf, Laufzeit und Effizienz (SEER). Die EU-Ökodesign-Verordnung für Raumklimageräte bis 12 kW rechnet für den SEER mit 350 äquivalenten Kühlstunden im Jahr. Unter dieser Annahme kommt ein Gerät mit 10 kW und SEER 6 bis 7 rechnerisch auf rund 500 bis 580 kWh im Jahr. Reale Laufzeiten im Betrieb können davon deutlich abweichen; ein Serverraum mit Dauerbetrieb läuft 8.760 Stunden im Jahr. Netto-Richtwerte für Ihre Konstellation liefert der Gewerbe-Kostenrechner; die Auslegung selbst gehört in die Hände des Fachbetriebs. Was die Anschaffung kostet, beschreibt der Beitrag Kosten der Gewerbe-Klimaanlage.
SEER: der Hebel beim Arbeitspreis
Der SEER beschreibt den Wirkungsgrad über die ganze Kühlperiode: Bezugs-Jahreskühlenergiebedarf geteilt durch den Jahresstromverbrauch für die Kühlung. Bei gleichem Kühlbedarf braucht eine Anlage mit SEER 8 rechnerisch rund 25 % weniger Strom als eine mit SEER 6. Auch der Zustand der Anlage zählt: Eine Simulationsstudie des US-Instituts NIST an einer Wärmepumpe im Einfamilienhaus zählt eine zu geringe Kältemittelfüllung zu den Fehlern mit dem größten Potenzial für Leistungsverlust und Mehrverbrauch. Die Wartung ist deshalb auch eine Stromkosten-Frage.
Lastspitzen vermeiden: drei Maßnahmen
1. Anläufe staffeln: Mehrere Geräte oder Kreise nicht zeitgleich starten lassen. Manche Systeme können zusätzlich die Leistungsaufnahme begrenzen: Daikin nennt im VRV-Katalog 2026 für Mini VRV eine Begrenzung auf 30 bis 80 % der maximal zulässigen Leistungsaufnahme und eine Software-Option zur Limitierung des Energieverbrauchs, diese nur bei Anlagen mit ausschließlich VRV-Innengeräten. 2. Vorkühlen: Gebäude am Morgen oder außerhalb der betrieblichen Spitzenfenster herunterkühlen, statt die volle Kühlleistung in die teuerste Viertelstunde zu legen. 3. Nicht gegen die Großverbraucher fahren: Wer weiß, wann Küche, Maschinen oder Ladepunkte ihre Spitze haben, legt die Kühlung bewusst daneben. Grundlage ist das eigene Lastprofil: Netzbetreiber müssen die Viertelstundenwerte spätestens zwölf Stunden nach der Auslesung kostenlos über ein Web-Portal und eine Schnittstelle bereitstellen.
PV und Kühlung
Eigenverbrauchter PV-Strom ersetzt Netzbezug. Für den Leistungspreis zählt die am Zählpunkt gemessene Entnahme; intelligente Messgeräte erfassen Einspeisung und Entnahme getrennt. Ob PV die verrechnete Spitze senkt, hängt deshalb davon ab, ob Erzeugung und Kühlbedarf in dieselben Viertelstunden fallen — das zeigen die eigenen Viertelstundenwerte. Wer eine PV-Anlage plant oder betreibt, kann die Kühlung in die Eigenverbrauchs-Rechnung aufnehmen.
Serverraum & Dauerkühlung
Wo rund um die Uhr gekühlt wird, etwa im Serverraum, fallen bis zu 8.760 Betriebsstunden im Jahr an; die Ökodesign-Berechnung für Geräte bis 12 kW setzt 350 äquivalente Kühlstunden an. Entsprechend stärker wirkt der Wirkungsgrad auf die kWh-Seite. Gefördert werden können 2026 Free-Cooling-Systeme, etwa auf Basis von Grund-, Fluss- oder Brunnenwasser, im Schwerpunkt „Energiesparmaßnahmen“ sowie Wärmerückgewinnung an Kälte- und Klimaanlagen. Mehr dazu: die Fördermöglichkeiten für Free Cooling und Wärmerückgewinnung.
Fazit: In zwei Währungen rechnen
Wer die Kühlung im Betrieb nur in Kilowattstunden denkt, übersieht einen Teil der Rechnung — ab 2027 mit der Monatsspitze für alle Entnehmer, auf Netzebene 7 nach der Übergangszeit. Der Wirkungsgrad (SEER) wirkt auf die kWh, die Steuerung auf die Viertelstundenspitze. Beides gehört ins Anforderungsprofil, bevor Angebote eingeholt werden — und in die Fragen an den Fachbetrieb. Wenn Sie neben den laufenden Kosten auch die Anschaffung planen: Klimaanlagen für Gewerbe im Überblick.
Stand: 23.10.2026. Leistungspreise 2026 laut Systemnutzungsentgelte-Verordnung, Novelle 2026 (BGBl. II Nr. 305/2025), netto; Rechenbeispiele mit eigenen Annahmen. Die Regeln ab 2027 stehen in der SNE-G-V (BGBl. II Nr. 299/2026), die Beträge ab 2027 legt erst die Tarifverordnung fest. Keine Rechts- oder Energieberatung.
Häufige Fragen
Was ist der Leistungspreis beim Gewerbestrom?
Der Leistungspreis ist der Teil des Netznutzungsentgelts, der je kW verrechneter Leistung anfällt. Er gilt für leistungsgemessene Anschlüsse; Anschlüsse ohne Leistungsmessung auf Netzebene 7 zahlen eine Pauschale je Zählpunkt. Grundlage ist bis Ende 2026 das Mittel der im Abrechnungszeitraum monatlich gemessenen höchsten Viertelstundenleistungen, auf ein Jahr bezogen. In Netzebene 7 liegt der Leistungspreis 2026 je nach Netzbereich bei rund 47 bis 112 Euro pro kW und Jahr (netto, ohne Kleinwalsertal).
Wird die Leistung in meinem Betrieb gemessen?
Ob Ihr Anschluss nach gemessener Leistung oder pauschal abgerechnet wird, erfahren Sie beim Netzbetreiber. Die früher oft genannte Grenze von 100.000 kWh Jahresverbrauch stammt aus der alten Lastprofil-Regel des ElWOG 2010 für weniger als 100.000 kWh oder weniger als 50 kW Anschlussleistung, die seit 24.12.2025 nicht mehr gilt. Intelligente Messgeräte erfassen heute sämtliche Viertelstundenwerte. Ab 1. Jänner 2027 sieht die SNE-G-V für alle Entnehmer einen Leistungs- und einen Arbeitspreis vor; auf Netzebene 7 gilt grundsätzlich bis 30. November 2027 ein Übergang, in dem Anschlüsse ohne Leistungsmessung eine Pauschale je Zählpunkt zahlen.
Wie stark treibt eine Klimaanlage die Lastspitze?
Maßgeblich ist die elektrische Aufnahme, nicht die Kühlleistung. Bei VRF-Außengeräten mit 28,0 bzw. 33,5 kW Kühlleistung liegt sie bei Volllast im Herstellerbeispiel Daikin VRV 5 REYA10A und REYA12A rechnerisch bei 8,6 bzw. 10,3 kW, rund einem Drittel, bei Mitsubishi Electric PUHY-M250YXM-A und PUHY-M300YXM-A laut Hersteller bei 7,69 bzw. 9,25 kW, gut einem Viertel; bei Teillast deutlich darunter. Fällt dieser Bezug in dieselbe Viertelstunde wie andere Großverbraucher, steigt der gemessene Viertelstundenwert entsprechend.
Was senkt die Stromkosten der Kühlung?
Beim Arbeitspreis der Wirkungsgrad: Bei gleichem Kühlbedarf braucht eine Anlage mit SEER 8 rechnerisch rund 25 % weniger Strom als eine mit SEER 6; dazu kommt der Zustand der Anlage, etwa eine korrekte Kältemittelfüllung. Beim Leistungspreis das Lastverhalten: Anläufe staffeln, vorkühlen, die Kühlung nicht in dieselben Viertelstunden legen wie andere Großverbraucher und, wo die Anlage es kann, die Leistungsaufnahme begrenzen. Ob PV-Strom die Spitze senkt, hängt davon ab, ob Erzeugung und Kühlbedarf in dieselben Viertelstunden fallen; das zeigen die eigenen Viertelstundenwerte vom Netzbetreiber.
Zählt für den Leistungspreis die Anschlussleistung oder die gemessene Spitze?
Die gemessene Spitze: verrechnet wird bis Ende 2026 das Mittel der monatlich gemessenen höchsten 15-Minuten-Werte, ab 2027 der Höchstwert je Kalendermonat, auf Netzebene 7 nach der Übergangszeit — nicht die Anschlussleistung und nicht ein kurzer Anlaufstrom, der im Viertelstundenwert weitgehend untergeht. Mindestens verrechnet werden dann auf den Netzebenen 1 bis 6 20 % der vertraglich vereinbarten Leistung in Bezugsrichtung, auf Netzebene 7 nach der Übergangszeit 2 kW, ausgenommen Kleinstanschlüsse.
Rechnet der Gewerbe-Kostenrechner die Stromkosten mit?
Ja, als Richtwert: Der Gewerbe-Kostenrechner weist neben den Investitionskosten netto auch geschätzte jährliche Stromkosten der Kühlung aus. Lastspitzen-Effekte sind standortabhängig und werden dort nicht abgebildet — die klärt der Fachbetrieb anhand Ihres Lastprofils.
- RIS — Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG), BGBl. I Nr. 91/2025, ausgegeben 23.12.2025 — abgerufen 05.10.2026
- RIS — ElWOG 2010 § 52 Netznutzungsentgelt, Fassung bis Ende 2026 — abgerufen 05.10.2026
- RIS — ElWOG 2010 § 17 Standardisierte Lastprofile, Fassung vom 01.12.2025, außer Kraft seit 24.12.2025 — abgerufen 05.10.2026
- RIS — Systemnutzungsentgelte-Verordnung 2018, Novelle 2026, BGBl. II Nr. 305/2025, in Kraft 01.01.2026 — abgerufen 13.10.2026
- RIS — Systemnutzungsentgelte-Grundsatzverordnung (SNE-G-V), BGBl. II Nr. 299/2026, ausgegeben 12.10.2026 — abgerufen 23.10.2026
- E-Control — SNE-G-V, Verordnung zum Beschluss samt Erläuterungen, 09.10.2026 — abgerufen 23.10.2026
- Daikin Europe — VRV 5 Heat Recovery REYA-A, Technical Data, 07/2023 — abgerufen 05.10.2026
- Mitsubishi Electric — City Multi Y Series PUHY-M-Y(S)XM-A, Product Information Sheet, 03/2026 — abgerufen 24.10.2026
- Mitsubishi Electric France — Groupe Y R32 réversible PUHY-M YXM, Nenndaten Kühlen +35 °C/27 °C — abgerufen 24.10.2026
- Daikin Airconditioning Central Europe — Katalog VRV 2026, April 2026 — abgerufen 05.10.2026
- Verordnung (EU) Nr. 206/2012 (Ökodesign Raumklimageräte), Anhang I und II — abgerufen 06.10.2026
- NIST — Technical Note 1848, Sensitivity Analysis of Installation Faults on Heat Pump Performance, September 2014 — abgerufen 05.10.2026
- KPC — Informationsblatt Energiesparmaßnahmen in Betrieben und Gemeinden, 04/2026 — abgerufen 02.10.2026
- KPC — Informationsblatt Wärmerückgewinnung bei Kälte- und Lüftungsanlagen (< 100 kW), 10/2025 — abgerufen 02.10.2026


